Berichte

Bericht einer Mehrtagesfahrt über den Monatswechsel von Mai auf Juni 2018:

1. Tag:
Über den Monatswechsel von Mai auf Juni 2018 ruderten Ekki Götting (Wanderruderwart), Ute Alig-Götting (Vorsitzende des ERV), Ingo Bevern, Jürgen Bräutigam, Gerhard Siebrasse, Heidi May-Siebrasse, Johannes Stübiger, Sabine Güntheroth, Sabine Keller, Jochen Grüning, Doris von Kiedrowski, Werner Sinnhöfer und Frieder Werner auf den Gewässern rings um Schwerin. Ekki und Ute hatten alles wieder bestens vorbereitet: Die Tagesetappen auf dem Wasser, die Buchung der beiden Hotels für je zwei Nächte und das kulturelle Beiprogramm, um die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern und auch Ludwigslust und Parchim nicht nur vom Wasser aus, sondern auch an Land kennen zu lernen.

Mittwoch vor Fronleichnam wurde mit Autos und dem mit den beiden gesteuerten Doppelvierern „Ludwigstein“ und „Wartburg“ beladenem Hänger ins Hotel „Elefant“ angereist. Die Unterkunft lag zentral in Schwerins Innenstadt, sehr nahe am imposanten Schloss und außerdem noch so nahe an der Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75, dass wir Ruderstart und –ziel am ersten Tag zu Fuß erreichen konnten. Das Schweriner Bootshaus, ein prächtiger Neubau seit 2008 und gefördert als Restaurant am See und energieeffizient gegenüber dem Schloss aus Anlass der Bundesgartenschau 2009 hat eine Lage, die als unübertroffen romantisch genannt werden kann. Nach schwerer Geschichte durch Zerstörungen am Kriegsende und mühsamstem Wiederaufbau zu DDR-Zeiten ist den Schweriner Ruderern diese gelungene Sanierung von Haus und Bootsmaterial mehr als zu gönnen. Leider konnten wir im gastlichen Bootshaus nicht übernachten, denn andere waren schneller, aber kein Wunder, diese Lage ist auf Jahre vorgebucht. Aber das Hotel „Elefant“ entschädigte durch seinen hübschen Garten im Innenhof für ein Bier oder zwei als „Betthupfer“ und auch als Möglichkeit zum Frühstück im Freien, denn das Wetter auf unserer Wanderfahrt war Hochsommer pur.

Dieses Wetter beschenkte uns einen herrlichen ersten Tag auf den Seen von Schwerin, den Schweriner See gibt es eigentlich gar nicht, sondern viel mehr eine reiche Seenplatte, was auch die verschieden Namen verraten. Beim Ablegen aus der Schlossbucht ertönte eine unüberhörbar strenge Trainerstimme, die dem Nachwuchs im Leistungsrudern auf die Sprünge half. Wir dagegen genossen den Anblick auf’s Schweriner Schloss und unsere erste Spur auf dem Wasser des Sees. Bei diesem Anblick konnte niemand über Ruderer spotten, die angeblich immer nur wahrnehmen, was hinter ihnen läge. Den Schweriner Innensee überquerten wir komplett und merkten bereits auf dem kleineren der beiden großen Seen die Weite des Wassers, die Schwerin zu bieten hat. Weiter ging‘s durch den ersten der stets vorhandenen Verbindungskanäle zwischen den Seen auf den Schweriner Außensee. Das ist zwar der größte See der Platte, ihn jedoch voll auszukosten, wäre für unseren ersten Rudertag eine Überforderung gewesen. So beschränkten wir uns auf einen stattlichen und genussreichen Bogen auf nahezu spiegelglattem Wasser. Der Bogen mündete in den nächsten Verbindungskanal, der uns an seinem Ende in den Ziegel-Innen-See führte. Diesen See ruderten wir vollkommen aus. An den Ufern zum Teil sommerlich grüne Natur, zum Teil bebautes Schwerin mit ehemaligem Speicherhaus und eindrücklich die vielen Reihenhäuser direkt am Ufer mit Tor und Bootsschuppen im „Erd“ – geschoss, nein, besser auf Wasserniveau, eben Garage für die Motor- oder Segelboote und im ersten Stock der Wohnbereich – typisch für Meck-Pomm und die Brandenburger Seen. Noch ein See schließt sich an, nämlich der Pfaffenteich, der bis in die Schweriner Innenstadt reicht. Hier gibt es aber leider keinen Durchlass für Boote und Umtragen über zwei Straßen macht wenig Sinn. Also ging’s zurück, aber auf kürzerem Weg in den Innensee und an der Stadtseite zurück zum Schloss, vorbei an der Marstallhalbinsel und schließlich hinein in den Burgsee, der trotz zweier Brücken, die den Zugang zur Schlossinsel ermöglichen, die komplette Umrundung von Schloss und Schlossinsel mit ihrem Burggarten erlaubte. Komfortabel landeten wir wieder am Steg des Bootshauses am Franzosenweg und vesperten zünftig und wanderrudermäßig auf dem Gelände des Bootshauses. Der spätere Nachmittag gehörte individuellen Interessen aller, auch einkaufsbedingt, denn Fronleichnam ist im evangelischen Norden kein Feiertag.

Am frühen Abend empfing uns nahe des Marstallgebäudes und der herzöglichen Dampfwäscherei, heute Restaurant und Biergarten, Stadtführer Günter Thom. Ihn hier widerzugeben würde den Rahmen eines Wanderruderberichts sprengen. Auch Herr Thom widmete sich wieder hauptsächlich der Geschichte des Schweriner Schlosses, das wir am heutigen Tag zum zweiten Mal umrundeten, diesmal auf dem Landweg. Nur kurz das Außergewöhnliche: Weit über 1000 Jahre Geschichte spiegelt der Bau des Schlosses denkmalpflegerisch betreut mutig und ohne Störungen wider. Ein Student der Architekturgeschichte braucht nur dieses Schloss zu besuchen und zu erforschen, und er hat jeden Stil der Baugeschichte vor Augen. Angefangen bei den Obodriten, einem Slawenstamm, der mit dem Bau einer Holzburg begann über das gesamte Mittelalter und die Neuzeit hindurch finden sich architektonische Besonderheiten und Kuriositäten eines jeden Zeitalters. Auch die Schweriner Rudergesellschaft führt sich selbstbewusst auf die Obodriten zurück, was zur Einsicht führt, dass bereits das weite Russland von Ruderern auf seinen Flüssen erschlossen wurde. Die mittelalterlichen Machtkämpfe allerdings haben heute im demokratischen Deutschland ein entlastendes Ende gefunden und doch beherbergt das Schloss in unermüdlicher Treue zu den jeweils gegebenen Verhältnissen heute den Landtag des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Schaut selbst nach auf www. schweriner schloss.de, und ihr findet alle Einzelheiten, natürlich auch Fotos, inklusive der Seenlandschaft von Schwerin. Übrigens staunten wir nicht schlecht darüber, wie sich während unserer Stadtführung die Seen verändert hatten. In gewitterschwangerer Luft frischten die Winde auf und warfen Wellen mit Schaumkronen auf. Nicht so prickelnd für Ruderer, aber ein Paradies für Segler! Ihre weiße Segelpracht beherrschte ein weiteres Mal romantisch die Ansicht dieser wunderschönen Wasserlandschaft.

Am Abend schmeckte es uns nur noch gut im Brauhaus der Altstadt mit eigen gebrautem Bier in allen Farben. Und da wir bei der Hitze davon nicht genug bekommen konnten, mundete auch im Garten vom „Elefanten“ noch einmal ein Lübzer.

2. Tag
Wir starteten pünktlich in Schwerin zu unserer Tour. Sie führte uns über den Schweriner See zur Störwasserstraße.

Der vor ca 500 Jahren erbaute Störkanal schlängelte sich verwunschen durch die Landschaft.  Nach ca 15km erreichten wir unser Ziel zur Mittagsrast in Banzkow. Wir mussten nur noch eine Schleuse überwinden, um zur wohl verdienten Stärkung anzulanden.

Nach der Mittagspause sollte die 2. Etappe auf dem Störkanal in Angriff genommen werden.  Jedoch ließ der Blick zum Himmel nichts Gutes erahnen. Wir bemühten verschiedene Wetterapps um eine Einschätzung der Wetterlage. Doch fünf verschiedene Apps bedeuteten fünf verschiedene Vorhersagen.  Also blieb nur eine Zeit lang abzuwarten. Nach einsetzenden Regen und Gewittergrummeln war die Entscheidung für den Abbruch des Ruderns am heutigen Tag gefallen.
Also mussten noch schnell die Boote aus dem Wasser gehoben werden.

Dann fuhren wir in unser Hotel. Der Weg dorthin führte direkt durch das Gewitter mit Starkregen und Wasserlachen. Unsere Autos erhielten eine gründliche Unterbodenwäsche.

Nach dem Bezug unserer Hotelzimmer und einer kleinen Erfrischung starteten wir zum Alternativprogramm für den Nachmittag.

Es führte uns nach Ludwigslust zum Barockschloss. Man bezeichnet es auch als das mecklenburgische Versailles. Das Wetter drohte nochmal in der Ferne mit Grummeln. Doch der Wettergott blieb uns wohl gesonnen und wir konnten auf der Schlossterasse Leckereien genießen und uns im Anschluss im Schlosspark die Füße vertreten. Der Tag klang schließlich mit einem gemütlichen Abendessen im Hotel aus.

3. Tag:
Zum Frühstück mit den neuesten Gewittermeldungen diverser Wetter-Apps konfrontiert, fuhren wir mit den Autos zu unseren Booten ganz nach der alten (weisen) Ruderregel handelnd: ob’s REGNET, wird am STEG entschieden!

Unser Steg lag hinter der Schleuse in Banzkow. Eine geschlossene Wolkendecke und kühlere Temperaturen als an den vorangegangenen Tagen ließen uns manchen besorgten Blick zum Himmel richten.

Schnell waren die Boote im Wasser, das Bootsgepäck verstaut, und die Mannschaften stiegen über’s Wasser in ihre Boote.

Vor uns lagen ca. 8 schnurgerade Störkanal-km. Der Störkanal fließt durch die Niederung der Lewitz und verbindet den Schweriner See mit der Müritz-Elde-Wasserstraße.

Die Uferböschung ist mit Eichen, Fichten und Pappeln bewachsen. Manch freie Sicht ließ uns die Felder oder Wiesen hinter der Dammkrone erahnen. Motoryachten unterbrachen das Vogelgezwitscher und unsere Rudergeräusche. Die bläulichen Wasserschmetterlinge, Libellen gleich, begleiteten uns immer wieder.

Ab km 7 konnten wir sehen, wie der Damm baulich aufgeschüttet und erneuert wird.

Mit der Einfahrt in die Müritz-Elde-Wasserstraße zählten die km-Schilder wieder vorwärts. Der Wasserlauf war auch nicht mehr gerade. Kurz danach erreichten wir die Schleuse in Matzlow-Garwitz. Nachdem wir geschleust hatten, legten wir zur Mittagspause an. Ein kleiner Steg erleichterte uns das Aussteigen. Mit Seerosen und den gelben Wasserlilien war der Rastplatz von der Natur gut geschmückt.

Nach dem Landdienstwechsel ruderten die Mannschaften Parchim entgegen. Das Etappenziel war Slate. Teilweise lag die Wasserstraße höher als das umliegende Land. An der Strecke wurden Biberspuren gesichtet, und ein Platschen des Biberschwanzes im Wasser war zu hören. An der Schleuse in Parchim mussten wir warten. In der Ferne hörten wir ein Donnergrummeln.Der Landdienst fuhr zur alten Fährüberfahrt nach Slate und verkürzte sich die Wartezeit indem sie sich Parchim ansahen. Dort entdeckten sie die Pfarrkirche St. Georg, eine kleine Innenstadt mit Fachwerkhäusern und das Kaiserliche Postamt, das jetzt ein Restaurant und ein Hotel beherbergt.

In Slate zurück konnten sie Schwalben beim Insekten fangen auf dem Wasser beobachten. Pitsch, pitsch, pitsch, wie ein Stein der über das Wasser hüpft.

Außerdem bekam der Landdienst von Jochen Grüning Gedichte vorgelesen.Kurz darauf kam das erste Boot an und wurde nach und nach ausgeladen. Im Wasser liegend wurde das Boot befestigt, um das 2. Boot ebenfalls zu entladen. Danach wurden beide Boote gemeinsam an Land gelegt. Manche von uns fuhren nach Parchim, um Kaffee zu trinken und Eis zu essen. Zum Abendessen und gemütlichen Beisammensein trafen wir uns wieder im Hotel. Auch ein kultureller Beitrag wurde von Jochen Grüning geboten. Damit ging ein schöner Tag zu ende.

Bericht in der WR am 03.05.2018: Die ERV-Rennruderer waren bei der 56. Bamberger Ruder-Regatta dabei, Bericht in der WR am 03.05.2018

Die ERV-Wanderruderer waren an Pfingsten auf der Weser unterwegs, Bericht in der WR am 29.05.2018

Die ERV-Wanderruderer waren an Pfingsten auf der Weser unterwegs, der Mitfahrer Frieder Werner hat hierzu einen ausführlichen Bericht geschrieben. 

Bericht vom 10.04.2018: Bericht in der WR über Osterwanderfahrt Werra und Weser

Bericht vom 17.04.2018: Bericht in der WR über die erste Wanderfahrt 2018 auf der Werra

Bericht vom 17.04.2018: Bericht in der WR über die Saisoneröffnung beim Eschweger Ruderverein 

Bericht vom 03.10.2017: Bericht in der WR über die 43. Hess. Rudermeisterschaften in Eschwege - "Sechsmal Gold für ERV"

Berichte vom 20.09.2017: Bericht in der WR über Start der ERV-Ruderer in Großauheim

Bericht vom 27.09.2017: Vorbericht in der WR über die Hessenmeisterschaften 2017

Berichte vom 12.9.2017 und 13.09.2017: Berichte in der WR über die Start der ERV-Ruderer in Kopenhagen (Masters, Martina Goretzki) und Wiesbaden-Schierstein (Adrian Klotzsch, Wolfgang und Florian Grünefeld, Nele Becker, Michelle und Marcel Hesse)

Berichte vom 06.09.2017: Bericht in der WR über Start der ERV-Ruderer in Limburg